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MIRIAM GOSSING & LINA SIECKMANN | MISCHA KUBALL | ALWIN LAY | LYOUDMILA MILANOVA | HERMES VILLENA
KING GEORG | DAS HERZ BRENNT IN SEINEM EIGENEN GESICHT

kuratiert von | curated by ANDRÉ SAUER

06.08. – 27.08.2022


Eröffnung | Opening

05.08.2022 | 19 - 22 UHR | 7 - 10 PM
"Music by Friends"

Freitags | Samstags | ab 20 UHR

every Friday | Saturday | from 20 PM

siehe auch | see also
monopol

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english below


"In den letzten Monaten des Jahres 2018 bin ich oft alleine durch das King Georg geschlendert, habe fotografiert und versucht, mir ans Herz gewachsenes Mobiliar, Lieblingsecken, ewige Baustellen und andere eingeschriebene Erinnerungsorte festzuhalten, an denen so viele Ereignisse spielerisch ihre Spuren hinterlassen haben.
Nach zehn Jahren war mein Spieltrieb natürlich größtenteils einer Routine gewichen, der Klub längst ein etablierter, gewohnter, wenn auch sehr geliebter alter Freund. Ein Ort voller Geschichten u nd schrägem Eigenleben. Ich war dann plötzlich sehr begeistert von der Idee, einen Blick durch die Augen befreundeter Künstler:innen auf den Klub zu werfen.
Die Kunst ist wie eine Lupe, manchmal ein Brennglas, gern spielerisch und musikalisch..."

André Sauer


Die Künstler:innen waren alle selber Gäste im King Georg – wie würden sie den Klub reflektieren?

Zu der Ausstellung wird jeden Freitag und Samstag ab 20 Uhr ein abwechslungsreiches musikalisches Programm "Music by Friends" in den Räumlichkeiten von Mouches Volantes geboten.

Mit einem Text zur Ausstellung von Elke Kania.


King Georg

Das Herz brennt in seinem eigenen Gesicht


Die legendäre Kölner Klubbar King Georg wurde zehn Jahre lang, von 2008-2018, von André Sauer betrieben. Markenzeichen des Clubs war die Originalausstattung des ehemaligen Animier-Etablissements aus dem Jahre 1968 – und natürlich das herausragende Programm. André Sauer und sein Team schufen einen einzigartigen Ort voller Kreativität, ein perfektes Setting für Menschen, um sich wohlzufühlen, um Musik, Kultur und Gemeinschaft zu zelebrieren.
Ende 2018 lud Sauer Künstler:innen, die oft zu Gast im King Georg waren, ein, sich mit dem außergewöhnlichen Ambiente und der besonderen Stimmung der Location künstlerisch auseinanderzusetzen und so Erinnerungen an den Club in ihren Arbeiten festzuhalten. Die entstandenen Kunstwerke werden nun erstmals in der von André Sauer kuratierten Ausstellung Das Herz brennt in seinem eigenen Gesicht im Mouches Volantes präsentiert.

Alwin Lay schuf eine ortspezifische Inszenierung, die über acht Meter auf die umlaufende Fensterfront des Mouches Volantes angebracht ist. Die transparenten Bilder wirken wie eine Membran, die den urbanen Außenraum mit dem Inneren verbindet. Die Gäste werden hineingeholt in die Erinnerung an den Kosmos des King Georg. Die fünf Bildmotive von Alwin Lay simulieren in ihrer narrativen Abfolge eine Choreografie durch den Club: Von der Türklingel an der Garderobe entlang zum hinterem Teil des Lokals mit den intimen Séparées aus braunem Leder, hinunter in den Keller, wo Eiswürfel losgelöst durch die Luft tanzen.
Eine surreale Komponente findet sich auch in dem Beitrag von Lyoudmila Milanova. Drei Leuchtkästen bilden charakteristische Impressionen der Ausstattung des King Georg ab: Die golden glänzenden Bierzapfhähne, die rot bezogene Theke und die dunkelbraune Holzvertäfelung mit dem schweren dunkelroten Vorhang am Eingang. Der Dampf über den Zapfhähnen und der Nebel über der Theke fangen das Licht ein und machen damit die Atmosphäre, die Luft, im Raum greifbar. Die Inszenierung der Theke gleicht einem Raumschiff kurz vor dem Abheben in die Magie einer Clubnacht.
Die vier Fotografien der Filmemacherinnen Miriam Gossing & Lina Sieckmann erscheinen in der hinreißenden Sinnlichkeit ihres schwarz-weißen Korns wie Stills eines 16-mm-Films. In Langzeitbelichtung nur mit dem vorhandenen Licht aufgenommen, erkundet die Fotoserie I vestiti nuovi del re jenem Ort voller geisterhafter Geschichten, wie die des pinkfarbenen Seidentuchs, das verlassen, aber stolz an der Garderobe hängt. Die Bar bot schillernden Selbstdarstellern ein Refugium, in dem sie erstrahlen konnten wie der legendäre Kronleuchter, der während eines Konzerts herabstürzte und dem wundersamen Drehbuch des Lebens gleich niemanden verletzte. Die collagierte Fotoarbeit Midnight Bliss von Hermes Villena, Künstler und seinerzeit Resident-DJ im King Georg, zeigt eine urwaldartige Pflanzenumgebung vor Gläsern auf der Theke des Clubs, die darauf warten, mit Drinks gefüllt zu werden– die Mitternachtswonne kann kommen! Der Dschungel ist eine schöne Metapher für eine Klubbar: existieren doch in beiden ‘Biotopen‘ unterschiedliche Spezies neben- und miteinander in wilder Schönheit. Eine romantisierte Vorstellung von Natur trifft auf die Mythisierung des Nachtlebens, beides durchdringt sich – wir lassen uns gerne verzücken.
Im hinteren, zweiten Ausstellungsraum lässt sich eine neue Arbeit von Mischa Kuball erleben. Die immersive Videoinstallation king_king mirror, eine Adaption seiner ikonischen Arbeit platon’s mirror, basiert auf Videomaterial und Sound Recordings aus dem King Georg. Die Bildebene ist invertiert und in die spezifische rötliche Lichtstimmung des Clubs getaucht, der Sound ist eine Collage aus Stimmen, Musikversatzstücken und Mood. Projiziert wird auf eine silberne Spiegelfolie, ein Teil der Bilder breitet sich jedoch raumgreifend auf die umgebenden Wände aus. Auf der Tanzfläche des King Georg konnte man sich in Spiegeln betrachten – in Kuballs Installation verbindet sich das performative Moment einer Clubnacht mit Expanded Cinema. Der Soundteppich der Installation durchzieht aus diesem hinteren Raum (quasi dem Séparée) heraus die ganze Ausstellung, die Reflektionen des Lichts lassen ungeahnte Welten erscheinen.

Text: Elke Kania


english


"In the last months of 2018, I often strolled alone through the King Georg, taking photographs and trying to capture furniture I had grown fond of, favorite corners, eternal construction sites and other inscribed places of memory, where so many events had playfully left their mark.
After ten years, of course, my play instinct had largely given way to routine, the club long since an established, familiar, if much beloved old friend. A place full of stories a nd weird life of its own. I was then suddenly very enthusiastic about the idea of taking a look at the club through the eyes of artist friends.
Art is like a magnifying glass, sometimes a burning glass, playful and musical...""

André Sauer


The artists were all guests at King Georg themselves - how would they reflect on the club?

In addition to the exhibition there will be offered a varied musical program "Music by Friends" every Friday and Saturday from 8 PM in the premises of Mouches Volantes.

With a text on the exhibition by Elke Kania.


King Georg

Das Herz brennt in seinem eigenen Gesicht (The heart burns in its own face)


The legendary Cologne club bar King Georg was run by André Sauer for ten years, from 2008-2018. The hallmark of the club was the original décor of the former animation establishment from 1968 - and of course the outstanding programme. André Sauer and his team created a unique place full of creativity, a perfect setting for people to feel at home, to celebrate music, culture and community. At the end of 2018, Sauer invited artists who had often been guests at the King Georg to artistically explore the extraordinary ambience and special atmosphere of the location and thus capture memories of the club in their works. The resulting artworks are now being presented for the first time in the exhibition Das Herz brennt in seinem eigenen Gesicht (The Heart Burns in Its Own Face) at Mouches Volantes, curated by André Sauer.

Alwin Lay created a site-specific staging that is mounted over eight metres on the circumferential window front of the Mouches Volantes. The transparent images act like a membrane that connects the urban exterior with the interior. Guests are drawn into the memory of King George's cosmos. The five pictorial motifs by Alwin Lay simulate a choreography through the club in their narrative sequence: from the doorbell along the cloakroom to the back of the pub with the intimate séparées made of brown leather, down into the cellar where ice cubes dance detached through the air.
A surreal component can also be found in Lyoudmila Milanova's contribution. Three light boxes depict characteristic impressions of the King George's décor: The shiny golden beer taps, the red-covered bar and the dark brown wood panelling with the heavy dark red curtain at the entrance. The steam above the taps and the mist above the bar catch the light and thus make the atmosphere, the air, in the room tangible. The staging of the bar is like a spaceship just before taking off into the magic of a club night.
In the ravishing sensuality of their black and white grain, the four photographs by filmmakers Miriam Gossing & Lina Sieckmann appear like stills from a 16 mm film. Shot in long exposures using only the available light, the photo series I vestiti nuovi del re explores that place full of ghostly stories, like that of the pink silk scarf hanging abandoned but proud on the coat rack. The bar provided a refuge for dazzling self-promoters to shine like the legendary chandelier that came crashing down during a concert and, like the wondrous script of life, hurt no one.
The collaged photographic work Midnight Bliss by Hermes Villena, artist and resident DJ at King Georg at the time, shows a jungle-like plant environment in front of glasses on the bar of the club, waiting to be filled with drinks - the midnight bliss can come! The jungle is a beautiful metaphor for a club bar: after all, in both 'biotopes' different species exist side by side and with each other in wild beauty. A romanticised idea of nature meets the mythicisation of nightlife, both interpenetrate each other - we like to be enchanted.
In the second exhibition room at the back, a new work by Mischa Kuball can be experienced. The immersive video installation king_king mirror, an adaptation of his iconic work platon's mirror, is based on video material and sound recordings from King Georg. The image plane is inverted and immersed in the specific reddish light mood of the club, the sound is a collage of voices, music set pieces and mood. The projection is onto a silver mirrored foil, but some of the images spread out across the surrounding walls. On the dance floor of the King Georg, one could look at oneself in mirrors - in Kuball's installation, the performative moment of a club night is combined with Expanded Cinema. The sound carpet of the installation runs through the entire exhibition from this back room (the séparée, as it were); the reflections of the light make unexpected worlds appear.

Text: Elke Kania



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